Ohrstück oder Otoplastik

Wieso braucht es Ohrstücke für Hörgeräte? Aus welchem Material ist eine Otoplastik? Gibt es Hörgeräte ohne individuelle Ohrstücke? Otoplastiken oder zu Deutsch Ohrpasstücke sind individuell auf das Kundenohr angepasste Stöpsel.

1. Otoplastik ist der Fachbegriff für Ohrstück oder Ohrpasstück

Eine Otoplastik oder zu Deutsch Ohrstück/ Ohrpasstück genannt, gehört zum klassichen HdO-Hörgerät wie der Lautsprecher zur Musikanlage. Ohne Ohrstück geht nichts. Denn der Lautsprecher im Hörgerät hinter dem Ohr leitet über einen Schlauch die Schallwellen über das Ohrstück in den Gehörgang und setzt das Trommelfell in Schwingung.

2. Otoplastik oder Schale für Hörgeräte als Halt im Ohr

Ein HdO-Hörgerät hat immer eine Otoplastik und ein IdO-Hörgerät eine Schale zum Halt im Ohr.

3. Ohrstück aus Acryl-Glas oder Silikon

In der Regel werden Ohrstücke aus Acryl-Glas gefertigt. Dieses Material ist gut verträglich und kostengünstig. Benötigt man jedoch mehr Dichtigkeit weil das Hörgerät eine Rückkopplung (Pfeifen) aufweist, so ist unter Umständen Silikon wegen der besseren Dichtigkeit (weicher) geeigneter. Auch bei Kindern mit Hörgeräten macht der Hörakustiker bei der Hörgeräteanpassung Silikon-Ohrstücke. Diese müssen jedoch im Wachstum häufig erneuert werden, da das Kinderohr ebenfalls wächst.

4. Ohrstück bei Allergien vergolden, aus Titan oder mit Thermo-Kunststoff

Sollte nun ein Kunde eine Allergie bei seinem Ohrstück gegenüber dem klassischen Acryl aufweisen, so bestehen die Möglichkeit von Alternativen Materialien wie «vergolden», Titan, oder neu Thermo-Kunststoffen. Diese Thermo-Kunststoffe haben geschützte Namen wie «Thermotec», «Variotherm» usw. Die Namen verraten es, diese Materialien unterliegen thermischen Einflüssen. Bedeutet, je nach Körpertemperatur passen sich diese an. Zudem können diese «schnaufen» und lassen z.T. durch ihre «Poren» Luft, was bei solchen Kunden wichtig sein kann.

5. Ohrstück Zusatzbohrung für Belüftung, ein natürliches Hören und gegen Pfeifen

Das Ohrstück hat den Zweck die Schallwellen vom Hörgerät auf das Trommelfell zu übertragen. Zudem sorgt dieses dafür, dass das Hörgerät nicht pfeift (Rückkopplung). Jedoch hat es auch den Nachteil das Ohr zu verschliessen. Die Herausforderung für den Hörakustiker ist es, das Ohr so offen zu lassen wie möglich und so geschlossen wie nötig. Eine maximale Belüftung wird angestrebt. Dies nach der einfachen Formel eines «Helmholtz resonators». Bei der Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) hören die viele Kunden die Basstöne noch gut, einzig hohe helle Töne fehlen. Diese Basstöne nehmen nun über die Zusatzbohrung den geringsten Widerstand zum Ohr, was die Geräte natürlicher klingen lässt. Dies kann ein Nachteil eines Im-Ohr Hörgerät sein welches unter Umständen zu wenig Platz für eine genügend grosse Zusatzbohrung hat.

6. DOM oder Schirmchen bei RIC-Hörsystemen sind provisorische Ohrstücke

Das RIC-Hörgerät wird häufig mit einem sogenannten DOM oder Schirmchen angepasst. Der Vorteil eines DOMES, unentschlossene Kunden mit Hörverlust haben die Möglichkeit unverbindlich in ein Hörsystem reinzuhören. Ab mittleren- stärkeren Hörverlusten wird jedoch ein individuell angepasstes Ohrstück empfohlen da sonst die Elektronik eingreift um das Rückkoppeln zu verhindern. Dies zu Lasten der hohen- hellen Töne welche der Kunde ja benötigt. Dies wäre fatal für das Sprachverstehen.

7. Ohrstücke von RIC Hörsystemen mit eingebauten Lautsprechern

Bei RIC Hörsystemen werden die Lautsprecher in das Ohrstück eingebaut. Phonak zum Beispiel benennt diese speziellen Ohrstücke «cShell» (cSchale). Vorteil dessen ist es gegenüber Im-Ohr Hörgeräten, dass nur der Laustsprecher und weder eine Hörgerätebatterie noch andere Elektronik die Belüftungsbohrung mindert.

8. Ohrstück als Endprosukt von Ohrabdruck mit 2-komponenten Silikon

Um ein Ohrstück zu produzieren muss vom Hörgeräteakustiker ein Ohrabdruck (Guss) genommen werden. Dies geschieht ähnlich wie beim Zahnarzt, wenn dieser einen Abdruck von den Zähnen macht mittels 2-komponenten Silikon. Dieser ist flexibel und innerhalb weniger Minuten trocken. Dieses sogenannte Positiv wird nun weiterverarbeitet.

9. Ohrabdruck für Ohrstück vià 3-D Scanner oder Negativ

In der digitalen Zeit wird das Handwerk auch hier verlagert. Fertigte früher das Otoplastiklabor die Ohrabdrücke für die Ohrstücke noch über eine Gipsform (Negativ), so wird dieser heute im 3-D Scanner von 360° gescannt. Diese Datei kann der Hörakustiker einfach an das Labor vià Email zustellen. Schnell und einfach.

10. Otoplastik Modelling vià 3-D CAD Software

Das Otoplastiklabor liest die 3-D Datei des Abdrucks vom Hörakustiker aus und modelliert nun am Computer anhand eines speziellen 3-D CAD Programmes. Ob mit eingebautem Lautsprecher oder ohne, für jeden Kunden individuell und massgefertigt.

11. Ohrstück modelliert aus 3-D Drucker oder Printer

Auch hier hält die Digitalisierung nicht. Anhand eines 3-D Druckers oder Printer wird das Ohrstück auf den Hundertstel-Millimeter genau modelliert und dem Hörakustiker zugestellt.

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Quelle: https://www.audisana.ch/blog/ohrstueck-oder-otoplastik