Hörtraining

Was versteht man unter Hörtraining und wann macht es Sinn ein solches zu machen? Früher wurden sogenannte Hörtrainings mit Cochlear-Implantate (CI) – Trägern gemacht. Heute nimmt es auch bei hörentwöhnten Hörsystem-Trägern einen Platz ein.

1. Hörtraining um die Wahrnehmung zu verbessern

Die Anfänge des Hörtrainings liegen bereits im Jahr 1959, wo das Hörtraining nach Beckmann durchgeführt wurde. Hierbei wurden dem Hörgeräte-Träger Wörter vorgesagt, damit dieser lernt von den Lippen zu lesen. Ziel war und ist es auch heute noch das Sprachzentrum mit Wörtern, Tönen und Geräuschen zu stimulieren und das Gehirn so zu trainieren, um die Wahrnehmung zu verbessern.

2. Hörtraining als Reaktionsübung

Das moderne Hörtraining ist wie eine Reaktionsübung. Dem Kunden werden über Lautsprecher Töne vorgespielt. Hierfür gibt es CDs, DVDs, Apps oder Online Tools. Die vorgespielten Töne kommen abwechseln mal von Links und mal von Rechts. Über eine Fernbedienung muss er Kunde angeben welchen Ton er von welcher Seite her gehört hat. So wird seine Reaktion trainiert und verbessert.

3. Hörtraining stimuliert das Gehirn

Im Gehirn findet die Verarbeitung des Gehörten statt. Man kann sie als eine Art Kommando – Zentrale bezeichnen. Es hört, lernt, versteht und merkt sich das Verstandene. Im Sprachzentrum des Gehirns kommen mehrere Kanäle zusammen. Hier verarbeiten wir das Gehörte zusammen mit dem was wir sehen. Zum Beispiel sehen wir bei einem gesprochenen „O“ wie sich die Lippen unseres Gegenüber zu einem offenen Kreis formen. Wir hören und sehen also ein „O“ und dies speichert unser Gehirn ab. Es stimmt also, dass jeder von uns ein wenig Lippenlesen kann ohne dies aktiv gelernt zu haben. Daher verwundert es auch nicht weiter, dass unser Gehirn oft irritiert reagiert, wenn wir einen schlecht synchronisierten Film anschauen. Wir hören etwas anderes als wir sehen, wenn die Mundbewegungen nicht zum Ton passen.

4. Hörtraining = Hirntraining – und das nicht nur im Alter

Unser Gehör nimmt mit dem Alter ab (Presbyakusis). Häufig beginnt ab einem Alter von 50 Jahren eine schleichende Verschlechterung des Hörens. Bis wir diese jedoch bemerken und zum ersten mal einen Hörtest machen lassen, vergehen oft Jahre. Die meisten Hörverluste beginnen bei den hohen hellen Tönen. Diese werden in den Jahren, in denen nichts gemacht wird vom Sprachzentrum im Gehirn nur wenig bis gar nicht mehr gehört. Das Gehirn ist wie ein Muskel. Wird es nicht trainiert, bildet es sich zurück. Hörtraining ist also wichtiges Hirnleistungstraining.

5. Hörtraining mit einem Hörgerät

Da das Gehirn über Jahre gewisse Töne nicht oder nur wenig gehört hat, erklärt dies die Problematik, die viele Kunden mit ihren ersten Hörsystemen haben. Sie hören auf einmal wieder Töne und Geräusche, die sie mehrere Jahre nicht mehr gehört haben. Der untrainierte Gehirnmuskel ist damit anfangs oft überfordert. Daher kann der Hörakustiker die Geräte eines neuen Kunden nicht direkt von 0 auf 100 einstellen. Dies wäre eine Überforderung für das Gehirn. Der Kunde muss nun mit den Hörgeräten Dinge wie Richtungshören, Lautstärkenunterschiede, Distanzhören, Geräusche einordnen und Impulsverarbeitung neu lernen. Hierbei helfen eine Vielzahl von Hörtrainings. Manche können bereits Jahre vor den ersten Hörgeräten von zu Hause aus begonnen werden. Andere werden mit den Hörsystemen und einem Audiotherapeuten begonnen.

Quelle: https://www.audisana.ch/blog/hoertraining